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Diversant13 - New World Disorder (2014)

Diversant:13 – New World Disorder (review @ Nordic Lights)

Nach dem Debutalbum “End Of Days” (2012) haben sich Diversant:13 die Messlatte recht hoch gehängt. Ich bin gespannt, ob sie ihr von positiven Kritiken überhäuftes Erstlingswerk toppen können. Nicht viele Bands schaffen dies.

Der Opener Equinox soll gleich zeigen wo es langgeht. Nach einer kurzen Einstimmung mit leicht sphärischen Klängen wird der Takt angegeben. Der Fuß fängt sofort an mit zu wippen. Als der Gesang einsetzt hört man eine eher vom Metal her bekannte Stimmlage. Macht aber nichts. Passt auch hier sehr gut. Im Laufe des Titels kommt mir Tyske Ludder in den Sinn. Hat eine leichte Ähnlichkeit mit einem ihrer clubtauglichen Titel, komm nur nicht drauf welcher. Werde abgelenkt vom eingebauten Dubstep Element.

Weiter geht’s mit Borderlands. Treibend vorwärts gerichtet ins Grenzland. Der Fuß wippt weiter. Wenn das so weiter geht krieg ich auf jeden Fall keine kalten Füsse.

Leave The Hope Alone kommt nun etwas anders daher. Immer noch mit ordentlich Beats per Minute, aber da ist nun deutlich eine E-Gitarre zu hören. War die bei den ersten Songs auch dabei? Entweder nicht, oder ich hab’s überhört. Jetzt wird jedenfalls klar, warum Diversant:13 auch dem Industrial-Metal zugeordnet werden.

Jetzt hebt Icarus ab. Noch mehr gitarrenlastig, die synthetischen Parts sind hier für eine wohlklingende Melodie im Refrain zuständig. Langsam wird klar, dass mein Anfangszweifel völlig unbegründet ist. Natürlich toppen sie ihr Vorgängeralbum!

Bei Spit The Fire Out gehen die Gitarren wieder etwas in den Hintergrund, die Synthis gewinnen die Oberhand. Die Experimente mit Dubstep Elementen gehen weiter, sie sind aber nicht aufdringlich und fügen sich gut ins Gesamtbild ein.

Beim Namen des nächsten Titels hat man eine Vorstellung was kommt. Here Comes The Stormgeht ruhig los, aber ein treibender Beat lässt nicht lange auf sich warten. Der Sturm zieht heran. Ja, jetzt die Gitarren, Gänsehaut macht sich breit. Man spürt den sich ändernden Luftdruck. Der Song erweist sich zwar nicht als Superzelle oder Tornado, aber es ist bislang der Beste.

Der Fuss wippt weiter. Automatisch, selbst in den Pausen zwischen den Titeln. Dann beginntBleeding Sun. Nach dem Sturm also wieder Sonne. Man hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf, jetzt kommen die Gitarren wieder, eine herrliche Mischung zusammen mit ordentlichen Beats und melodischen Synthis. Dann wird’s wieder ein wenig geordneter, und die eingängige Stimme ist wieder da. Habe ich gerade geschrieben, Here Comes The Storm ist der beste Song? Er wurde soeben abgelöst. Um diese Rangfolge zu ermitteln gibt es ein einfaches Mittel: Die Intensität des Fusswippens gepaart mit der Ausprägung der Gänsehaut.

Der Rhythmus ändert sich kaum bei Better Be Dead, dennoch ist dieser Song wieder andersartig. Kurzzeitig erwarte ich einen etwas langweiligeren Song. Aber weit gefehlt: der Refrain ist Dark Elektro vom allerfeinsten, und er hebt sich durch den eher etwas durchschnittlichen restlichen Teil des Stückes hervorragend ab.

Schon 8 Titel, und noch bei keinem konnte ich auch nur annähernd einen Daumen nach unten vergeben. Reborn ist nun an der Reihe. Passend, nachdem man ja gerade eben besser tot sein sollte. Wieder ein eingängiger Song, der sich gut in die Gesamterscheinung des Albums einfügt.

Der 10. Titel, New World (feat. Omnimar), scheint ruhig angelegt zu sein. Diverse Synthiklänge schaffen ein etwas mystisches Klangbild, welches leicht an The Retrosic erinnert. Keine 0815 Ballade, nein, einfach ein ruhiger angelegtes Stück, ohne sich selber zu verraten. Die Gitarren steigen nun ein, und erstmals ist eine weibliche Stimme zu hören. Ein wirklich feiner Titel. Die Stimme von Maria Mar von der Moskauer Band Omnimar passt hervorragend.

Die letzten beiden Titel sind Remixe. Beim Cygnosic Remix von Spit The Fire Out fällt mir nur eines ein: das Original ist besser. Irgendwie kommt beim Remix nicht dieselbe Stimmung auf. Zum Glück ist der Remix über 2 Minuten kürzer als der originale Titel.

Freaky Mind hat sich an Better Be Dead versucht. Hier zeigt sich eine andere Herangehensweise. Die Moskauer Band hat sich der tiefen Metalstimme entledigt und präsentiert einen Robotergesang. Insgesamt nicht schlecht, wobei sich der Refrain in dieser Variante nicht mehr so deutlich abhebt wie im Original. Aber definitiv der Bessere der beiden Mixe.

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass dieses Album eine wirkliche Meisterleistung ist. Diversant:13 hat es tatsächlich geschafft, ihr Debutalbum um Längen zu toppen. Dabei verfolgen sie strikt einen eigenen Stil, niemand kann ihnen vorwerfen sie würden nur den Einheitsbrei von anderen Bands nachmachen.

Heiko @ Nordic Lights