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Cold In May - Dark Season (2013)

Cold In May – Dark Season (review @ Amboss-Mag)

Das weißrussische Trio um Mastermind und Sänger Arsenio Archer gehört in ihrer Heimat zu den großen Synth Pop/Rock Bands. Ihr Sound ist nicht weit entfernt von Bands wie Diorama, Apoptygmark, VNV Nation, Covenant. Mit Dark Seasons liegt nun der Nachfolger des 2011er Debüts (übrigens als Special Edition 2013 neu aufgelegt) vor und erneut glänzt die Band mit treibenden Sounds, verführerischen Melodien, rauen dunklen Vocals und einer galanten düster-melancholischen Gesamtatmosphäre.

Es ist schwer einzelne Songs aus dem Gesamtkontext zu schneiden, da das Album in sich sehr geschlossen und und in seiner stimmungsvollen Darstellung als Einheit fungiert. Als Singleauskopplung gibt es das verträumte, mit wunderschönen Chorus ausgestattete “The Reason”, fast könnte man es als dunkel-wavige Version von Limahls “Neverending story” bezeichnen. Allerdings bewegt sich die Band, trotz ihrer eingängig bis poppigen Eleganz weit ab von kitschigen Pop-Liedchen. Dazu ist auch das Riffing zu straight. “Dirty Diamond” bewegt sich mit krachigen Beats, verwegenen Synths und einer experimentellen Elektronik im Kosmos der schwarzen Szenerie, deren ausladende Eleganz immer wieder von bedrohlichen Passagen durchschnitten wird, um später zusammengefügt, den Hörer mit Weichzeichner zu verwöhnen. In “Everyday” gibt es dann auch mal unterkühlte Passagen, deren Klarheit mit verstörenden Effekten unterbrochen wird. Mit einer Whiskey-Stimme begleitet Arsenio das verrucht erklingende “Happy People”. Es klingt wie eine elektronische Ausgabe früher Sisters of Mercy und hat textlich nichts mit happiness zu tun. In Richtung Future Pop geht es mit dem durchdringenden, von strammen Beats durchzogenen “Night like these”(Auf der physikalischen Ausgabe gibt es als Bonus eine Akustik Version des Songs). Eher balladesk inszeniert kommt “Black Wind” daher, dessen Adern mit schwarzromantischem Blut durchtränkt werden. Der Gesang verliert den dezent rauen Ton und intoniert den Text mit leicht nasalen Stimmbändern.

Fazit: Die Osteuropäer überzeugen mit ihrem melancholischen Dark Pop, der mit untergrundigen Shoegaze Saiten verfeinert wird und damit, neben lieblichen Melodielinien, auch die dunkle Atmosphäre des Dark Wave nicht außer Acht lässt. Dezenter Dark Industrial schleicht sich harmonisch in Songs wie “Dirty Diamond” und Arsenio’s Organ besitzt dieses facettenreiche Sammelsurium aus Gefühl, Straightness, Verzweiflung und fragiler Rauheit und legt sich so geschickt über die sphärischen Eruption zwischen Synthetik und rockigen Parts. Neben oben erwähnten Bands, gibt es immer wieder leichte Verweise auf die 80er (Alphaville, Ultravox, New Order).

Andreas @ Amboss-Mag